Deutsches Hepatitis C Forum e.V

Be - 42 Jahre, Januar 2007

 

Vor über 25 Jahren habe ich mich durch meine damalige Drogensucht mit dem HCV infiziert.
Zu dieser Zeit war die Diagnose „Hepatitis B“ und ich war mir auch vollkommen sicher, dass nach meinem dreiwöchigem Aufenthalt im Krankenhaus diese lästige Sache erledigt ist – von wegen.

Ach, und vor allen Dingen, was ist Hepatitis…Hallo? Irgendeine unangenehme Leberkrankheit…!? O.K. geht auch vorüber – oder? Mehr wusste ich nicht darüber und wollte ich auch nicht wissen!
Meine Drogensucht bekam ich durch einen Ortswechsel -Abbruch der ganzen Freundschaften, die alle durchweg mit Drogen zu tun hatten - sowie Unterstützung meines damaligen Partners und Hilfe eines entsprechenden Arztes nach langem Kampf in den Griff.
Die Partnerschaft ging kurz nach meinem Ausstieg aus der Drogenwelt in die Brüche. Kurze Zeit später lernte ich den Vater meines Kindes kennen - lieber Gott, ich danke Dir so sehr, dass mein Sohn gesund ist!
Über Jahre hinweg hatte ich stark schwankende Leberwerte, die laut Aussagen meiner immer wechselten Ärzte, anscheinend nicht richtig zu erklären waren. Außerdem wollte ich es nicht wahrhaben, dass tatsächlich noch immer ein Kampf in meinem Körper stattfindet.
Einmal teilte mir ein Arzt so nebenbei in einem Telefonat mit, wenn es mit diesen Leberwerten so weiterginge, gäbe er mir noch ca. 10 Jahre zu leben – danke schön, dass ich noch lebe – das Telefonat war vor über 20 Jahren – diese Aussage werde ich wohl nie vergessen!
Ich legte auf und beschloss, erneut den Arzt zu wechseln.
Vor ca. 9 Jahren hieß es nach einer erneuten Blutuntersuchung, ich habe eine chronische Hepatitis C und es sei wohl schon immer eine C gewesen und keine B.  Für mich brach die Welt zusammen, mein Sohn war grad ein Jahr alt, ich will ihn doch aufwachsen sehen.
Alles was ich damals über den HCV wusste, es könne tödlich enden. Meine Leberwerte waren dann ca. 6 Jahre lang ziemlich konstant und lagen sehr lange im Grenzbereich.
Meine neue Ärztin fand dies nicht bedrohlich und meinte wohl, ich könne damit auch alt werden. Mit Alkohol und Medikamenten müsste ich halt vorsichtiger umgehen, als ein gesunder Mensch. Ich wurde auch nie auf irgendeine Art einer Therapie aufmerksam gemacht, bzw. habe mich auch selber nie weiter interessiert. Auch war ich immer nach den Blutuntersuchungen sehr erleichtert, wenn es hieß, die Leberwerte seien o. k, sie liegen im Grenzbereich und somit ging ich meiner Wege! Ja, in Sachen Verdrängung war ich klasse.

Schleichend aber über Jahre hinweg, wurde ich immer schlapper und unkonzentrierter. Bücher lesen, dessen Inhalt zu merken, war beschwerlich!
Sport konnte ich kaum noch richtig ausüben, da mir die Kondition zunehmend fehlte. Und wo war auf einmal meine Lebenslust?
Mein damaliger Mann, der Vater meines Sohnes, meinte nur dazu, ich solle mir doch keine Gedanken darüber machen. Ich sehe doch auch nicht krank aus! Hm…! Ja, ich verdrängte jahrelang meine Krankheit, meine Vergangenheit. Ich verkroch mich in ein verkorkstes Schneckenhaus!
Nach knapp 20 Jahren Partnerschaft mit dem Vater meines Sohnes trennten sich unsere Wege und ich lernte meinen jetzigen Partner Markus kennen.
Markus Freund, ein Arzt (Allgemeinmedizin), therapierte erfolgreich seinen Stiefsohn gegen den HCV. So wurde ich überhaupt zum ersten Mal auf eine Therapie aufmerksam.
Nach einem Gespräch mit dem Arzt entschied ich mich auch sehr schnell, nun endlich den Virus zu bekämpfen. Ich bekam eine Überweisung zum Internisten und vereinbarte gleich einen Termin.  Nach einer erneuten Blutuntersuchung wurde der Genotyp 3 bestimmt sowie die Virenanzahl in Höhe von knapp über 500.000. Meine Leberwerte lagen leicht über dem Grenzwert! Die Nebenwirkungen wurden noch angesprochen und dann gleich ein Termin für den Beginn der Therapie vereinbart!
Das ging dann alles auf einmal so rasend schnell…! Das was ich so lange verdrängt habe, konnte therapiert werden…ich habe die Möglichkeit gesund zu werden.
Im Internet fand ich dann auch die Seite Hepatitis C und in die dazugehörende Mailingliste, die wirklich goldwert ist.
Meine Therapie begann im März und endete im August d. J.! Gott, ich hatte eine Wahnsinns Angst vor diesen Nebenwirkungen – diese Packungsbeilagenzettel sollte man besser nicht lesen -
24 Wochen lang jeden Tag diese Medikamente mit solch da stehenden evtl. auftretenden Nebenwirkungen?
Nach meiner ersten Spritze, auf der Heimfahrt vom Arzt, nahm ich zur Vorsorge –nach Anraten meines Arztes - gleich zwei Paracetamol!
Abends ging ich ohne Nebenwirkungen ins Bett, wachte auch so am morgen wieder auf und dachte mir, na super! So ging es tagelang gut. Ich meine, es waren knapp zwei Wochen, wo es so einigermaßen gut lief und ich nur leichte grippeähnliche Anzeichen und Stimmungsschwankungen hatte, die aber nicht so erheblich waren. Gegen Mitte April bekam ich  Hautprobleme und musste auch einen Hautarzt aufsuchen.
Die verschriebene Salbe half allerdings nicht sehr viel und ich wandte mich zum ersten Mal Hilfe suchend an die Mailingliste.
Da bekam ich unter anderem den Tipp mit der Heilerde, die mir nach längerer Zeit auch sehr geholfen hat. Die komischen Pusteln verschwanden und das Hautjucken wurde immer weniger. In der Zwischenzeit war ich virenfrei – ein sehr großer Auftrieb für mich.
Depressionen - Vergangenheitsbewältigung, Übelkeit, zeitweise extremer Schwindel, Kopf- und Gliederschmerzen, entzündete Mundschleimhaut, Atemprobleme, Schlaflosigkeit, Haarausfall waren dann abwechselnd meine Begleiter bis zum Ende der Therapie.
Ich war nicht mehr in der Lage länger zu laufen, geschweige denn Treppen am Stück zu gehen und musste sehr oft zwischen drin anhalten. Irgendwann hatte ich den Gedanken an einer Gehhilfe verloren. An selbständiges Autofahren war überhaupt nicht mehr zu denken – Unfallgefahr drohte, meine armen Mitmenschen dachte ich. Die heißen Sommermonate waren der Horror – ich schmorte so durch die Hölle. Die immer wieder entzündete Mundschleimhaut machte mir extrem zu schaffen, grins, in der Mailingliste bekam ich zu lesen: wenn mir die Zähne dann ausgefallen sind, tut es nicht mehr so weh – ich musste so lachen. Was ein toller Tipp war: Bepanthen-Lösung, die hatte mir sehr geholfen!
Jedes kleinste Geräusch war der Alptraum in meinen Ohren. Ja, in dieser Zeit war ich tatsächlich in der Lage, Flöhe pupsen zu hören. Gott, wie oft  wollte ich die Ribas im Klo runterspülen! In der Zwischenzeit war ich auch an einem Brunnen

Jedes kleinste Geräusch war der Alptraum in meinen Ohren. Ja, in dieser Zeit war ich tatsächlich in der Lage, Flöhe pupsen zu hören. Gott, wie oft  wollte ich die Ribas im Klo runterspülen! In der Zwischenzeit war ich auch an einem Brunnen angeschlossen, da ich 5-6 Liter Wasser täglich zu mir nahm, was auch sehr gut war.

Jeden Tag las ich in der Mailingliste! Ich war und bin es immer noch, eine eher stille Mitleserin der Mailingliste. Wenn ich absolut nicht mehr konnte und um Tipps bat, bekam ich immer wertvolle Ratschläge und liebe Seelen-Trostpflästerchen


Ich kam mir in der Zeit der Therapie vor, als würde ich in einer anderen Welt leben, abgeschirmt und zum Teil unverstanden! Durch meine so andere Wahrnehmung manchmal weit weg von den „normal“ lebenden! Oftmals hatte ich das Gefühl durch die Medikamente ein unerträglich launischer Mensch geworden zu sein und kam mir meiner Familie gegenüber so schlecht vor.
Vergangenheitsbewältigung war für mich ein großes Thema in der Therapie. Altes, nicht verarbeitetes kam zum Vorschein. Bilder aus der Kindheit, die ich lange zu vergessen schien. Höhen und Tiefen, die ich so in meinem Leben bisher noch nie erlebt hatte! Eine Gradwanderung zwischen Gut und Böse! Aber ich habe alles gut geschafft! Eine sehr große Unterstützung war mein Partner!
Gegen Ende August an meinem letzten Meditag bekam ich dann noch den absoluten Koller! Was passiert mit meinem Körper ohne die Medikamente? Kommt der Virus wieder zurück? Hilfe, Panik brach aus! Heulkrämpfe, anstatt Freude, es geschafft zu haben. Zwei Tage lang!
Irgendwann kam ich dann ganz wieder auf den Boden der Realität zurück und genoss Tag für Tag die Rückkehr in ein „normales“ Leben. Heute noch habe ich so genannte Nachwehen, mal leichte Depressionen, mit denen ich umgehen kann oder Gliederschmerzen, die aber auch immer weniger werden
Ich bin so froh, es geschafft zu haben. Ich bin stolz darauf und dankbar für die liebevolle aufmerksame Unterstützung meines Partners, meiner Familie und Freunden! Ich habe mich oftmals so schlecht gefühlt Euch gegenüber. Ihr habt meine Launen ertragen!


Lieber Markus,
dank Dir, mit Deiner Unterstützung habe ich dieses Jahr die Therapie begonnen. Ich wusste nicht einmal, dass es so eine Möglichkeit gibt, den HCV zu therapieren. Damit hatte ich mich auch nie beschäftigt, weil ich eher damit beschäftigt war, das alles zu verdrängen. Du hast mich dazu bewegt, mit der Krankheit umzugehen und sie zu bekämpfen. Die Therapie durchzuziehen! Du hast mit mir zusammen gelitten, geweint und gelacht bis an unserer beiden Grenzen. Du hast mir immer soviel Kraft gegeben. Ich danke Dir aus tiefstem Herzen dafür. Du bist ein so verständnisvoller lieber Mensch. Schön, dass es Dich gibt. So schön, Dich an meiner Seite haben zu dürfen! Ich liebe Dich so sehr und werde auch immer für Dich da sein!

Ja, und liebe Brischittt, die auch Du hier mit Deinem Patientenbericht weiter unten stehst. Die Lebensweisheit, der Spruch in Deinem Bericht:

Laufe nicht der Vergangenheit nach…
verliere dich nicht in der Zukunft…
die Vergangenheit ist nicht mehr…
die Zukunft ist noch nicht gekommen…
das Leben ist hier und jetzt…  
Buddha


den fand ich schon immer sehr gut. Deine Ausstrahlung, die Vertrautheit, die aus Deinen - zum Teil - humorvollen Erzählungen aus Deiner Erfahrung mit der Therapie heraus gingen, hat mich dazu bewegt, Dich einfach anzuschreiben. Ja und daraus entstand eine echt schöne Freundschaft. Ich möchte auch Dir sehr von Herzen danken, wie auch Du mich in der Zeit unterstützt hast und mich auch heute noch immer wieder wegen meiner Nachwehen aufbaust. So schön, dass wir uns kennen gelernt haben. Ich finde Dich schlichtweg eine klasse Persönlichkeit. Die Ehrentherapie-Brischitt-Medaille bekommst Du noch von mir…lach…! Hut ab vor Dir! Denk daran, ich bin auch für Dich da…!
Auch Dir von Herzen ein großes Danke, mein liebes Schwesterherz Chrissy, Du hast mich auch immer wieder auf die Beine gestellt, aufgemuntert. Ich hab Dich ganz arg lieb und knutsch Dich bunt und ich freu mich sooo sehr auf meinen Neffen, der gestern das Licht der Welt erblickt hat! Natürlich auch meine Eltern – ein großes Danke!
Meine Freunde, die Freunde, die in dieser schweren Zeit Freunde geblieben sind – ich danke auch Euch sehr!
Die Freunde, die in dieser schweren Zeit nicht bleiben wollten – danke für Eure Freundschaft!

Vier Monate sind nun vergangen, vier Monate ohne Medikamente und es ist ein wunderschönes Gefühl zu spüren, wie Kraft in den Körper zurückkehrt!

Am 27.November 2006 nach einer Woche bangen, habe ich endlich die Werte der PCR bekommen und ich bin so froh…glücklich…! Es ist nichts nachweisbar und die Leberwerte sind klasse.

In drei Monaten steht die nächste PCR an und ich wünsche mir was…!

Allen, die bald eine Therapie starten oder gerade dabei sind…toi toi toi…Kopf hoch…Ihr packt das…! Allen Angehörigen von HCV-Patienten, es ist so wichtig zu wissen, was mit der Medikation sich im Körper des Patienten abspielen kann.
Einen guten Rutsch in das Neue Jahr

wünscht
Be
27. Dezember 2006

 

 

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