Behandlung der Hepatitis C

Hepatitis C ist heilbar!

In der Entwicklung der Behandlungsmöglichkeiten ist ein riesiger Schritt getan. Seit 2014 gibt es gut wirksame und verträgliche Medikamente mit kurzer Behandlungsdauer und hoher Heilungsrate.

In den Jahren vor der Entdeckung des Hepatitis C Virus wurden bei sogenannten „NonA-NonB“-Patienten oder einer Bluttransfusion Hepatitis bereits Interferon eingesetzt. Interferon ist ein körpereigenes Eiweiß, das in hohem Maße bei einer Infektion vom Immunsystem abgegeben wird. Durch die künstliche Zugabe des Interferons erhoffte man sich einen Anschub der Immunabwehr gegen das Unbekannte.

Interferon wurde zu der Zeit hoch dosiert, mehrmals wöchentlich subkutan (unter die Haut) gespritzt. Schwere Nebenwirkungen traten auf. Um die Heilungschancen zu erhöhen, wurde Anfang 2000 zusätzlich Ribavirin dazu gegeben. Ribavirin war als antivirales Medikament bereits unter anderem bei hämorrhagischen Fieber, zum Beispiel durch das Hanta-Virus ausgelöst, im Einsatz.

Im Jahre 2002 wurde die Gabe des Interferons vereinfacht. Durch die Pegylierung des Interferons war die Halbwertzeit (kontinuierliche Abgabe des Wirkstoffes) im Körper um ein Vielfaches erhöht und die Gabe der Spritze wurde auf 1x Wöchentlich reduziert.

Die Therapiezeit war je nach Genotyp zwischen 24 und 72 Wochen angesiedelt und eine Heilungschance lag bei der damals möglichen Behandlung bei ca. 50%. Genotyp 2 erzielte hier bereits 80% Heilungserfolge, Genotyp 3 lag bei ca. 60% und bei Genotyp 1 waren die Erfolge gerade mal an die 50%.

Die Nebenwirkungen der damaligen Standardtherapie waren gravierend. Von Blutbildveränderungen über Schilddrüsenproblemen bis hin zu starken Hautreaktionen und Depressionen. Es gab nichts, was es nicht gab.

Anmerkung: Wobei man betonen muss, nicht jeder ging geradezu „durch die Hölle der Behandlung“. Einige haben die Nebenwirkungen gut verkraftet.

Gerade Patienten, bei denen die Nebenwirkungen Spuren ohne erfolgreiche Heilung hinterließen, litten am meisten, auch nach der Beendigung der Therapie.

Im Gegensatz zu HIV oder Hepatitis B ist Hepatitis C heilbar! Die Virus-DNA „überschreibt“ nicht wie bei zum Beispiel bei HIV, die eigene Struktur, sondern „heftet sich an“. Dadurch konnten Wirkstoffe entwickelt werden die effektiv das Virus ausschalten können. Diese Wirkstoffe nennt man Direkt-Antivirale-Arzneimittel, im Englischen direct antiviral agents (DAA)

Ende 2014 kam die erste Interferon-freie Behandlungsmöglichkeit mit einer hohen Erfolgsaussicht auf Heilung (>95%). Die Behandlungszeit sinkt mit den neuen Medikamenten auf derzeit maximal 24 Wochen. Die Nebenwirkungen sind gering. Statt gravierender Anämien und Depressionen treten jetzt Kopfschmerzen, Schlafstörungen und evtl. Juckreiz in den Vordergrund.

Die Compliance des Patienten war im alten Therapieschema schon sehr wichtig. Mit den neuen Medikamenten ist die Mitarbeit des Patienten bzw. die Einhaltung der Einnahmezeiten fast noch wichtiger.

Die Behandlung der Hepatitis C war noch nie kostengünstig. Die neuen Medikamente lösen eine Diskussion über Kosten – Nutzen im noch nie dagewesenen Rahmen aus. Patienten dürfen sich hierdurch jedoch nicht verunsichern lassen.

Die Behandlung der Hepatitis C ist am besten bei einem Facharzt aufgehoben. Hepatitis C ist nicht nur einfach ein Virus, sondern es handelt sich um eine systemische (nicht nur die Leber betreffende) Erkrankung, in der viel Erfahrung des Behandlers nötig ist.

 

Übersicht der einsetzbaren Wirkstoffe

PEGyliertes Interferon alpha

Ribavirin

DAA: Wirkstoffe mit der Endung

  • -buvir (Nukleos(t)idische Polymerase (NS5B)-Inhibitoren)
  • -avir (NS5A-Inhibitoren)
  • -previr (Protease-Inhibitoren)

gehören zu den neuen direkt an der Virus-DNA wirkenden Wirkstoffen.

Wann welcher Wirkstoff in welcher Kombination eingesetzt werden kann, muss der Facharzt anhand der Anamnese des Patienten, mit dem Patienten erarbeiten.

Die für Deutschland geltenden Leitlinien zur Behandlung der Hepatitis C kann man auf DGVS - Leitlinien nachlesen. In Deutschland bemüht sich die Arbeitsgemeinschaft der DGVS zeitnah, die Leitlinien den aktuellen Entwicklungen anzupassen. In anderen europäischen Ländern werden diese teilweise deutlich seltener überarbeitet, so dass europaweit immer Unterschiede in den einzelnen Leitlinien herrschen werden.