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Nicht ohne Stolz kann ich berichten, daß ich die Drogensucht, als einer der wenigen in meinem Bekanntenkreis, nach fünf Jahren, im Jahr 1974 überwinden konnte (...heute bin ich trotz vieler Befürchtungen einiger meiner Mitmenschen ein erfolgreiches und honoriges Mitglied der Gesellschaft) .
Geblieben war mir, wie man mir damals von ärztlicher Seite sagte, ein Leberschaden (erhöhte Transaminasen, die Werte wurden mir nicht genannt). Dies, so die Ärzte, sei bedingt durch die Viren Hepatitis A und B, deren Antikörper man in meinem Blut gefunden habe. Bei einer dann vom Internisten veranlaßten Lapraskopie teilte mir dieser Fachmann mit, die Leber sei vollständig im Ordnung, mit der könne ich hundert Jahre alt werden. Ich solle für ein halbes Jahr keinen Alkohol trinken, danach sei vermutlich alles wieder in Ordnung. Ich habe der Angelegenheit danach auch keine weitere Bedeutung mehr zugemessen, zumal ich als medizinischer Laie über die Folgen der Krankheit in keiner Weise unterrichtet war.
Vor etwa zwölf Jahren bekam ich dann einmal eine akute Leberentzündung. Ursache unbekannt. Eine vom hinzugezogenen praktischen Arzt veranlaßte Blutuntersuchung ergab erhöhte Transaminasen (GGT 135; GPT 120; GOT 70). Nachdem sich diese Werte, auch bei Alkoholabstinenz, nach drei Monaten nicht verändert hatten, erklärte der Arzt, dies sei wohl ein bleibender Leberschaden der sich kaum mehr ändern werde. Es ist mir nicht bekannt, ob dieser Mediziner damals schon wußte, daß meine Hepatitis B nicht mehr aktiv ist. Es ist mir ebenso nicht bekannt, ob er wußte, daß eine weitere Hepatitis (non-A, Non-B) ebenfalls vorhanden war. Er riet mir vielmehr, künftig hin und wieder Lebertabletten (Essentiale forte) einzunehmen. Alkoholabstinenz hat er nicht verordnet. In der weiteren Zeit habe ich dann auch wieder ganz normal gelebt, habe dabei natürlich auch Alkohol genossen, teilweise in relativ großen Mengen (2-3 Liter Bier am Tag oder mal eine Flasche Wein waren keine Seltenheit). Vor etwa achtzehn Monaten stellte sich dann bei mir am ganzen Körper ein Juckreiz ein, der für den behandelnden Arzt zunächst nicht nachvollziehbar war, zumal die Haut keine Merkmale erkennen ließ. Die daraufhin veranlaßte Blutuntersuchung ergab erheblich erhöhte Transaminasen (GTT 291; GPT 160; GOT 110). Weitere Untersuchungen ergaben, daß ich an einer aktiven Hepatitis C leide (erfreulich dabei: weder meine Frau, noch meine Kinder sind positiv, was einmal mehr zeigt, daß das Ansteckungsrisiko, insbesondere im Bereich der Familie, nicht so hoch ist wie manchmal behauptet). Obwohl auch in diesem Fall der behandelnde Hausarzt über die Fakten der Krankheit und über mögliche Therapien nicht ausreichend informiert war, muß man ihm doch zugute halten, daß er sofort nach Vorliegen der Diagnose an einen Internisten überwies. Die dort in Wege geleitete Biopsie brachte dann die niederschmetternde Diagnose: fotschreitende Leberzirrhose, ein Ergebnis mit dem ich nicht gerechnet hatte, zumal mir beide Ärzte vorher gesagt hatten, die Leber sei offenbar noch nicht zirrhotisch. Immerhin teilte man mir mit, das Organ sei noch vollständig funktionsfähig, dementsprechend stünde einer Interferontherapie nichts im Wege. Im Februar 1996 erhielt ich dann erstmals Roferon in einer Dosis von drei mal wöchentlich je 4, 5 Millionen Einheiten. Die Leberwerte waren zu diesem Zeitpunkt aufgrund von Alkoholabstinenz zurückgegangen ( GGT 150; GPT 120; GOT 70). Was die Therapie selbst angeht, so kann ich hier die von anderen Patienten geschilderten, teilweise schweren Nebenwirkungen nicht nachvollziehen. Acht Stunden nach der ersten Injektion kam es zwar zum üblichen Schüttelfrost und zu leichtem Fieber, aber bereits beim nächstenmal waren diese Anzeichen fast völlig verschwunden. Auch in der Folge war von Beschwernissen nur selten etwas zu spüren. Hin und wieder leichte Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen, ab und zu ein Gefühl von Müdigkeit und Schlaffheit. Objektiv meßbar war nach ca. vier Wochen ein Rückgang der Werte für Thrombozyten und Leukozyten, so daß die Therapie zunächst für eine Woche ausgesetzt werden mußte. Auch danach trat diese Wirkung des Interferon immer wieder einmal auf, allerdings ohne daß kritische Werte erreicht wurden. So erfreulich das Fehlen von Nebenwirkungen war, so wenig hoffnungsvoll war das Ergebnis der Therapie. Ich habe fünf Monate lang injiziert und zu keinem Zeitpunkt haben die Transaminasen eine Besserung erkennen lassen(immer schwankend im Bereich + oder -15%). Ein letzter Test der HCV-RNA nach fünf Monaten hat dann auch ergeben: ich bin "nonresponder". Heute geht es mir einigermaßen gut. Ich bin zwar nicht mehr übermäßig belastbar, werde relativ schnell müde, auch der Juckreiz am ganzen Körper ist nach wie vor da, wenn auch etwas abgeschwächt. In der Hoffnung, daß die Forschung auch bezüglich der Bekämpfung von HCV nicht stehenbleibt warte ich darauf (und das hoffentlich noch sehr lange), daß meine Leber erste Funktionsausfälle zeigt. Der dann anstehenden Anmeldung zur Transplantation sehe ich gelassen entgegen. Charly´s Geschichte, II. Teil Die Kombitherapie als Dauermedikation ?
Ich lese das vorläufige Ende meiner Geschichte auf Ingo´s homepage nach jetzt 2 Jahren erstmals wieder:
Das soll ich geschrieben haben? Ich kann´s nicht glauben. Das hört sich an wie: "Ich sitze hier und warte auf den Tod, weil man mir gesagt hat ich könne nichts anderes tun." Oder wie: " Ich habe aufgehört zu kämpfen." Das hat nichts von dem was ich heute empfinde, das ist ein "Sich- Ergeben" in die Einsichten des ärztlichen Rates, der sich, wie leider so oft bei wenig erforschten Krankheiten, begründet auf Halbwissen und Mutmaßungen. Nicht, daß ich meinem Internisten einen Vorwurf machen wollte. Im Gegenteil: ich habe einen guten Arzt, einen der sich nicht scheut zu sagen wenn er von einer Sache nichts versteht, einen, der auch bereit ist zu lernen und den Dingen auf den Grund geht. Aber wieviel "Spezialistentum" soll man von einem Mediziner verlangen? Der Mann steht morgens um acht in seiner Praxis und wenn Du abends um 7 anrufst ist er meist auch noch da. Wen wundert`s , daß er als Spezialist für Nieren- und Hochdruckerkrankungen nicht auch noch Hepatologe ist. Nein, was ich meine ist etwas anderes: Nicht immer sind es die Ärzte, die dem Patienten seine Chancen nehmen. Sehr häufig ist es wohl der Kranke selbst, der sich so leicht und formbar in das scheinbar unabwendbar prognostizierte Schicksal medizinischen Ratschlags begibt und darin manchmal leider auch "umkommt". Oft reicht es ja, wenn man sich "behandeln" läßt. Aber manchmal ist das nicht genug. Der passive, fremdbestimmte Kranke wird seine Chancen nicht wahrnehmen können, wenn er sich nicht bewegt in Richtung zum wissenden, aktiven, kooperativen Patienten, der, stets seine Möglichkeiten im Blickfeld, täglich den Kampf gegen die Krankheit aufnimmt und der Resignation keinen Raum läßt. Konkret ausgedrückt: Lerne, werde zum Spezialisten für deine Krankheit, erkenne deine Chance und nutze Sie. Vergiß dennoch dabei nie, daß du den Kampf auch verlieren kannst. ,,Gott, schenke mir die Gelassenheit, das hinzunehmen, was ich nicht ändern kann, den Mut, das zu ändern, was ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."
Charly´s Geschichte, III. Teil Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. (Bertold Brecht)
Manchmal in den Phasen, in denen sich die psychischen Wirkungen und Nebenwirkungen der Hep C und/oder der Kombitherapie besonders bemerkbar machen, komme ich mir vor wie ein altes "Interferonfossil", daß sein Leben möglicherweise der täglichen Gabe dieses von vielen verteufelten und doch so wirkungsvollen Stoffs verdankt. Eine "Abhängigkeit", die mich dann auch zurück erinnern läßt an die Zeiten der Heroinabhängikeit vor fast 30 Jahren. Formal ähneln sich die Situationen: In beiden Fällen hing und hängt das Wohlbefinden letztlich von der Einnahme eines künstlichen Präparates ab, daß in den Mittelpunkt täglicher Überlegungen, Befindlichkeiten und Betrachtungen rückt. Sowohl hier wie da ein Stück Unfreiheit und das Gefühl, nicht Herr über die Ausgestaltung des eigenen Lebens zu sein. Und doch sind beide Lebensphasen, emotional betrachtet, so grundverschieden: Auf der einen Seite die tägliche Gier nach dem Rauschmittel zur Steigerung des subjektiven Wohlbefindens mit dem vermutlichen Ergebnis einer langsamen, aber wirkungsvollen Selbstzerstörung und auf der anderen Seite der tägliche Druck zur Injektion eines Wirkstoffs, der objektiv und sicher auch subjektiv das übliche Befinden deutlich verschlechtert, allerdings hier möglicherweise mit dem Ergebnis, daß man sich das so liebgewonnene und teure Leben noch so lange wie möglich erhalten kann. Ein Leben, daß trotz der vielen, krankheitsbedingten kleinen Mühen des Alltags um soviel kostbarer geworden ist, als man ständig vor Augen hat, daß ein scheinbar so unbedeutendes Partikel wie dieses Virus nahezu alles verändern kann. Nun, ich habe gelernt mit der Situation umzugehen. Die tägliche Einnahme der Kombinationspräparate ist zur Routine geworden. Ähnlich wie bei einem Diabetiker stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit dieser Maßnahmen irgendwann nicht mehr. Die Einnahme der Medikamente wird zum Fakt, zumal es realistisch betrachtet keine Alternativen gibt, es sei denn, man würde sich entschließen, den Kampf gegen den übermächtig erscheinenden Gegner nun endgültig aufzugeben. Aber wer will das schon, zumal einem erst die Krankheit zu soviel Bescheidenheit verholfen hat, daß winzige Kleinigkeiten und Ereignisse immer wieder auch Lichstrahlen auf die Seele werfen können. Memento mori! - Eine Erkenntnis, die zum Leben auffordert und zum aktiven täglichen Kampf um die vielen kleinen Momente des Glücks und der Zufriedenheit. Heute, nach nunmehr fast 6 Jahren mit Ribavirin und/oder Interferon, bin ich dankbar für jeden Augenblick, den ich erleben darf. Ich lebe, oftmals mit Mühe, manchmal aber auch mit Freude und mit dem Gefühl, für meine Angehörigen und für andere Betroffene noch immer ein bißchen von Bedeutung zu sein. Was nun den Zustand meiner Leber angeht, so scheint sich die ursprüngliche Annahme, daß die Dauertherapie zu einer gravierenden Verlangsamung fibrotischer und zirrhotischer Prozesse beitragen kann, zu bestätigen. Nahezu alle durch die Hepatitis C bzw. durch die Leberentzündung beeinflußten Laborwerte sind im Normbereich, bestimmte Parameter wie beispielsweise die Gammaglobuline und das Albumin haben sich deutlich verbessert und lassen keinen Schluß auf eine Leberkrankung zu. Lediglich der Gamma-GT ist nach wie vor geringfügig erhöht (im Durchschnitt etwa bei 45), die Milz ist deutlich kleiner geworden und eine letzte Biopsie vor knapp 2 Jahren hat eine deutliche Verbesserung des Grades der entzündlichen Aktivität gezeigt. Das Virus bin ich über all die Jahre nicht losgeworden, die Viruslast schwankt zwischen 700.000 und 1,6 Mio. Kopien/ml. Die Nebenwirkungen der Therapie haben sich im Lauf der Zeit nicht etwa verbessert, sondern, zumindest was die Auswirkung auf die Psyche angeht, eher verstärkt. Körperlich sind die Begleiterscheinungen wie Muskel- und Kopfschmerzen, Verspannungen, Muskelkrämpfe, Müdigkeit und Abgeschlafftheit geblieben. Allerdings bewegt sich das heute alles in einem Rahmen einer gewissen Normalität. Die vielen kleinen "Wehwehchen" gehören zum Alltag, ich empfinde sie als Teil meines Seins. Sie gehören dazu und sind daher nicht von wesentlicher Bedeutung. Anders verhält es sich mit den psychischen Auswirkungen der Therapie (und/oder der Erkrankung ?). Die unter Interferon auftretenden Tendenzen zur Persönlichkeitsveränderung sind aus meiner Sicht deutlich gravierender geworden und sind für mich und auch für meine liebe Frau, der ich an dieser Stelle ein dickes Dankeschön für ihre unendliche Geduld und für ihre nie endende Unterstützung ausspreche, eine täglich wachsende Herausforderung, mit der wir uns stets aufs Neue auseinander zu setzen haben. Damit meine ich nicht die zwischenzeitlich aufgetretenen Depressionen. Es hat sich gezeigt, daß diese, zumindest in meinem Fall, mit einem Antidepressivum der neueren Generation einigermaßen wirkungsvoll bekämpft werden können. Ich spreche vielmehr von der Veränderung grundlegender Wesenszüge wie Duldsamkeit, Gelassenheit, Ausgeglichenheit, Belastbarkeit, Empfindsamkeit für andere und für sich selbst, die Fähigkeit, zuhören zu können und vieles andere mehr. Hier ist der tägliche Kampf gefragt. Anders, als bei einer zeitlich begrenzten Therapie, sollte sich kein Betroffener unter Dauertherapie einreden, die Umwelt, insbesondere der engste Familien- und Freundeskreis, habe sich mit den "Marotten", die eine solche Behandlung mit sich bringt, abzufinden. Sicher, ohne die Toleranz des "Umfeldes" wird es nicht gehen. Es obliegt allerdings auch und vor allem dem Betroffenen, ständig an sich zu arbeiten, um sich das positive Mitwirken anderer auch tatsächlich zu "verdienen". Wenn ich nun den 3. Teil meiner Geschichte schließe, so tue ich das in der festen Überzeugung, irgendwann auch einen vierten oder vielleicht auch fünften Teil anhängen zu können. Die Krankheit hat mich nicht besiegt und ich glaube noch immer an einen guten Ausgang. Die Hoffnung stirbt immer zuletzt.
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Im Alter zwischen 17 und 22, also vor fast dreißig Jahren hatte ich ein Drogenproblem. Über diese fünf Jahre hinweg war ich abhängig von Morphium. Als Ergebnis des wechselseitigen Spritzengebrauchs mit anderen Abhängigen hatte ich damals auch eine Gelbsucht.