Deutsches Hepatitis C Forum e.V

Extrahepatische Symptomen

Unter Extrahepatischen Symptomen versteht man das „übergreifen“ HCV-bedingter Erkrankungen auf andere Organe. Extrahepatisch bedeutet "außerhalb der Leber". Diese übergreifenden Symptome können einzeln oder auch in Verbindung mit anderen Symptomen auftreten.

Viele diese Symptome treten auch häufig als Nebenwirkung der Interferontherapie auf, von daher wird im Kapitel „Mögliche Nebenwirkungen der Interferontherapie“ evtl. auf das ein oder andere Thema nochmals genauer eingegangen, bzw. liegen Wiederholungen vor. Während der Therapie spricht man in erster Linie von latenten extrahepatischen Symptomerscheinungen, wie zum Beispiel die mögliche Schildrüsenfunktionsstörung, welche sich meist nach der Therapie wieder allein reguliert. Von Manifesten spricht man, wenn über einen längeren Zeitraum die Funktionsstörungen nicht selbständig wieder ausklingen.

Das faszinierende Ergebnis an diesen Beobachtungen und Studien ist, das der Nordeuropäer wesentlich weniger extrahepatische Manifeste aufweist als die Südeuropäer.

Relativ häufige  extrahepatischen Symptome sind

  • Gelenk- und / oder Muskelbeschwerden
  • Kryoglobulinanämie
  • Autoimmune Phänomene und Antikörper
  • Trockene Schleimhäute (Sicca-Syndrom)
  • seelische Probleme
  • Leistungsschwäche
  • Fatique /Tagesmüdigkeit / chronisches Erschöpfungssyndrom

Zu den selten auftretenden Symptomen gehören

  • Diabetis mellitus
  • Lichen PlanusAutoimmune Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Autoimmunhämolytische Anämie

In einer französichen Studie mit 1614 Hepatitis C- Patienten wurden bei ca. 1200 Patienten (ca. 74%) wurden extrahepatische Symptome festgestellt. Bei 10% wurden bis zu 5 Symptome diagnostiziert. Es wurde dabei auch festgestellt, das oftmals in Verbindung mit verschiedenen Symptomen die Kryoglobulinanämie ermittelt werden konnte.
Bei ca. 30-50% der Hepatitis C Patienten findet man Kyroglobulin im Blut. Der reine Nachweis von Kryoglobulin hat bei den Patienten jedoch keine Konsequenzen.
Patienten mit Gelenksbeschwerden, Hautblutungen oder Neuropathien sollten jedoch auf Kryoglobulin getestet werden. Im Umkehrschluss sollten Patienten bei denen Kryoglobulin nachgewiesen werden kann auf Hepatitis C Viren getestet werden.
Eine Kryoglobulinanämie kann folgende Beschwerden auftreten lassen

  • Hautblutungen (Purpura)
  • Allgemeine Schwäche
  • Gelenksschmerzen
  • Nierenentzündungen (Glomerulonephritis)
  • Nervenschäden mit Missempfindungen und/oder Schwäche (in Verbindung mit Neurophathie oder auch in Verbindung mit Fibromalgie)

Autoimmune Phänomene und Antikörperbildung kann man bei bis zu 40% der Hepatitis C- Patienten feststellen. Autoimmunerkrankungen richten ihr Abwehrsystem nicht gegen die erkrankten oder befallenen Zellen aus, sondern zerstören das gesunde Gewebe.

Dazu zählen Antinukleäre Antikörper (ANA), Antikörper gegen glatte Muskulatur (SMA), Leber/Kidney (Nieren-)Mikrosomale Antikörper (LKM) oder Schilddrüsenfunktionsstörungen. Ein Nachweis von Antikörpern ohne Beschwerden oder Krankheitsbildern ist in der Regel oftmals ohne Bedeutung, sollte jedoch unter der Interferontherapie regelmässig beobachtet werden.
Eine Autoimmunhepatitis ist jedoch als kontraindizierend zur Therapie angezeigt!

Einen verminderten Speichel- bzw. Tränenfluss kann man bei dem Sicca-Syndrom feststellen. Im unterschied zu der Autoimmunkrankheit „Sjörgen-Syndrom“ liegen bei dem Sicca-Syndrom keine Antikörper vor. Das Wort Sicca bedeutet „trocken“.

Ob eine evtl. unterschwellig vorhandene Schilddrüsenerkrankung durch HCV oder die Interferontherapie ausgelöst, bzw. verstärkt werden kann ist noch nicht ganz erforscht.
Es wurde jedoch beobachtet das in Verbindung mit der HCV öfters eine autoimmune Thyreoiditis (Hashimoto, benannt nach dem Erstbeschreiber des Krankheitbildes) in Form von Antikörpern nachzuweisen ist. Schildrüsenfunktionsstörungen können sich sowohl in einer Unterfunktion (Hypothyreose), als auch in einer Überfunktion (Hyperthyreose) manifestieren. Eine Reihe der extrahepatischen Symptome beschreiben auch die Schildrüsenfunktionsstörung, zum Beispiel

  • Konzentrationsschwäche
  • Abgeschlagenheit
  • Gewichtsveränderungen
  • Haarausfall

Vor einigen Jahren ging man noch davon aus, dass eine Hirnbeteiligung bei einer Hepatitis C-Erkrankung erst im Stadium der Leberzirrhose auftreten könne. Der Psychiatrische Wissenschaftler Dr. Martin Schäfer beschäftigte sich intensiv mit dem Thema, als ihm im Zuge seiner Beschäftigung an der Charité Berlin die psychischen Probleme seitens der Internisten herangetragen wurden. Dr. M. Schäfer verfasste eine Artikel zum Thema „Psychische Syndrome im Rahmen der chronischen Hepatitis C Infektion und der antiviralen Therapie“ für unser Buch. Diesen Artikel können Sie im Bereich Nebenwirkungen der Interferontherapie auf Seite – nachlesen. An dieser Stelle wollen wir nur feststellen, dass auch die Hepatitis C Erkrankung für eine Reihe seelischer Erkrankungen eine „Mitverantwortung“ trägt. Leistungsstörungen, Depressionen und Angstzustände sind die häufigste Form der seelischen Erkrankungen.

Diabetes mellitus, auch bekannt als Zuckerkrankheit tritt weniger bei lebergesunden Hepatitis C –Patienten auf. In den auftretenden Fällen der Diabetes mellitus ist überwiegend der Typ II zu beobachten, welcher sich durch die Gabe von Insulin gut einstellen lässt. Eine hepatogene Diabetes (eine seltene Unterform der Diabetes) bildet sich meist erst, wenn eine schwerwiegende Fibrose oder gar Leberzirrhose vorliegt, da die Verstoffwechselung im Körper und somit auch der Aufbau des körpereigenen Insulins in der Bauspeicheldrüse nicht mehr richtig funktioniert.

Das Thema extrahepatische Symptome ist noch lange nicht endgültig erforscht und es gibt sicher auch noch eine Menge weiterer möglicher Komplikationen. Viele Symptome sind jedoch absolut individuell! In früheren Jahren wurden diese Symptome fast nie mit der Erkrankung durch das Hepatitis C Virus in Verbindung gebracht.
Aktualisiert ( Freitag, den 14. August 2009 um 22:58 Uhr )
 

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