Deutsches Hepatitis C Forum e.V

Fragen bezüglich der Krankheit

 

  • Wie kann ich die Wäsche eines infizierten Patienten am besten reinigen?

 

Das Hygiene-Institut Dortmund empfiehlt: In die Wäsche Paraformaldehyd geben. In den USA wird 20%ige Chlorlösung in allen Blutlabors zur Desinfektion von HCV benutzt.

 

  • Tritt Hepatitis C in Familien mit Infizierten häufiger auf als bei anderen Familien?

Ja, leider. Die Zahl der sogenannten intrafamiliären Übertragung liegt bei etwa 13% . (Angabe des Koop-lnstitutes USA)

 

  • Ist allein der GV mit Kondomen ausreichend, um mich vor einer Infektion zu schützen?

Die Gefahr einer Übertragung durch Sex ist sehr gering einzuschätzen. Das Risiko liegt etwa bei 1%. Der nichterkrankte Partner sollte allerdings folgendes berücksichtigen: Mindestens einmal jährlich einen Antikörpertest durchführen - alles tun, um das Immunsystem zu stärken. Ansonsten schützen Kondome genauso wie bei Aids.

 

  • Genügt schon eine kleine Menge Blut für eine Infektion, z.B. kleine Wun­den oder Kratzer auf der Haut?

 

Es kommt doch oft vor, daß man kleine Kratzer erst gar nicht bemerkt (sowohl beim HCV-Patient als auch bei der Kontaktperson).

Nach bisherigen Erfahrungen ist hier der Virenstatus maßgeblich. Das ist ja auch logisch, denn je mehr Viren pro ml Blut nachgewiesen werden (Virentiter), umso höher das Risiko einer Übertragung. Grundsätzlich ist aber immer wieder zu betonen, daß wir nach wie vor von etwa 40- 50% sog. sporadischer Transmission (=Übertragung unbekannt) ausgehen müssen, folglich sollte NICHTS ausgeschlossen werden und grundsätzlich äußerst sorgfältig Sorge getragen werden, die möglichen Risiken ein

 

  • Wie lange kann das Hepatitis C Virus an der Lüft überleben ?

 

Informationen darüber variieren von 12 Stunden bis 14 Tage ...jedenfalls überlebt es an der Luft.

 

  • Sind in Blutkrusten über Wunden auch Hepatitis C Viren ?

 

Dazu liegen uns keine Infos vor. Auch hier ist vermutlich der Virentiter maßgeblich. Und deshalb vermuten wir: JA... nur, wie sollte das Virus von dort in die Blutbahn eines anderen geraten?

 

  • Überlebt das HCV Temperaturen über 60 Grad (Waschmaschinenwäsche)?

 

Ja. Es stirbt erst ab 150 -160 Grad. Fragen Sie zum Beispiel mal Ihren Zahnarzt, ob er DAS in seiner ganzen Praxis gewährleisten kann!

 

  • Was ist mit den Körperflüssigkeiten ?

HCV wurde in allen Körperflüssigkeiten nachgewiesen, wobei wir allerdings vor kurzem eine Studie lasen, wo man behauptete, in Spermaflüssigkeit KEINEN Virus nachweisen zu können.

Wenn das Hepatitis C Virus auch im Speichel ist, ist dann eine Übertragung durch Benutzen derselben Gabel oder Trinkglases möglich? Wenn Sie zu diesem Zeitpunkt eine stark blutende Paradonthose haben, dann ja. Das Virus muß IN das Blut gelangen, auf dem Weg über den Magen wird es allerdings absterben.

 

  • Sind jährliche Kontrolluntersuchungen auf Hepatitis C bei Angehörigen von Hepatitis Patienten sinnvoll ?

Unbedingt, wobei ein Antikörpertest (ELISA) genügt. Bei engem Kontakt wäre präventiv auch eine Impfung mit Immun-Globulin empfehlenswert. Dieses regt das Immunsystem an und kann so möglicherweise zu einer erfogreichen Abwehr einer „Virusattacke" beitragen.

 

  • Wenn doch die Möglichkeit besteht, daß sich Menschen durch Kontakt mit verseuchtem Blut (z.B. Bluttransfusion) infizieren können, warum ist dann auszuschließen, daß die Viren nicht durch blutsaugende Insekten (z.B. Anopheles: Überträger der Malaria) übertragen werden können?

Es ist im höchsten Maße unvorstellbar, daß Hepatitis C von Mücken oder ähnlichem übertragen werden kann, weil:

  • Die Virentiter des HCV sind einfach zu gering im menschlichen Körper, um effizient von der Mücke aufgenommen zu werden. (Also keine Übertragung vom Mensch auf Mücke!) Das Virus unterliegt KEINER „schnellen" Virämie, d.h. die Virenreplikation kann sich NICHT im Laufe des doch relativ kurzen Lebenszyklus der Mücke manifestieren.
  • Es gibt weder einen epidemologischen noch physischen Nachweis, daß Mücken HCV übertragen.
  • Jeder Versuch bei dem man in Experimenten nachweisen wollte, ob eine HCV-Replikation in Mücken-Zellen möglich ist, scheiterte.

 

  • Welche Maßnahmen können Sie mir empfehlen zum gesicherten Nachweis einer Infektion meinerseits?

Heute werden serologische Methoden der zweiten Generation („Enzyme Linked Immunosorbent Assay" = HCV-ELISA II als Screeningtest und „Recombinant Immunoblot Assay" = HCV-RIBAII als Konfirmationstest) verwendet. Damit können Anti-HCV-Antikörper durchschnittlich drei Monate nach Exposition mit einer Sensitivität und Spezifität von etwa 90% nachgewiesen werden. Es handelt sich um nicht-protektive IgG-Antikörper, die Üblicherwei­sejahre- bis jahrzehntelang persistieren, auch wenn die Infektion überwun­den ist. Ihr Nachweis läßt deshalb keine Rückschlüsse auf die Aktivität der Hepatitis zu. Empfehlenswert wäre ein qualitativer PCR-Test.

 

  • Meine Frau ist Hepatitis C positiv und wird an einer Studie zur Erprobung einer Kombinationstherapie (Interferon + Zadaxin) teilnehmen. Voraussetzung zu dieser Studie ist eine Leberpunktion. Wir haben von Ärzten und Betroffenen erfahren, daß eine solche Punktion sehr schmerzhaft ist. Auch sollen die ersten Wochen nach dem Eingriff mit sehr grossen Schmerzen verbunden sein.

Zur Diagnose einer Hepatitis C ohne Verdacht auf Zirrhose ist eine Blindpunktion ausreichend, es läßt sich aber durchaus auch vertreten, eine Erst­punktion laparoskopisch vorzunehmen.

Nahezu jeder von uns hat bereits eine Biopsie hinter sich und das funktioniert so: Unter örtlicher Betäubung und sonografischer Kontrolle sticht der Arzt mit einer langen Kanüle durch die seitlichen rechten Rippen und entnimmt so ein (Blind-) Punktat aus der Leber. Diese Angelegenheit ist eine Lapalie und wird i.d.R. ambulant durchgeführt. Die meisten Patienten empfinden das NICHT als sonderlich schlimm und auch wir können nicht behaupten, daß es sehr unangenehm ist... aber eben leider auch nicht allzu genau. Deshalb ist die Laparoskopie (insbesondere bei Verdacht auf zirrhotische Veränderungen) vorzuziehen... man sollte aber unbedingt auf einer Vollnarkose bestehen, da diese Sache wirklich SEHR schmerzhaft sein kann.

 

  • Ich habe häufig einen Druckschmerz im rechten Oberbauch, mein Arzt sag­te mir aber, die Leber würde sich nicht durch Schmerzen bemerkbar machen - bin ich ein Hypochonder?

Die Leber selbst hat in ihrem Volumen zwar keine Nerven, die Schmerzempfindungen auslösen könnten. Die Kapsel, die die Leber umschließt, hat aber solche Nerven. Insbesondere eine Schwellung der Leber kann also Schmer­zen verursachen.

 

  • Wenn ich etwas über Ribavirin lese, dann heißt es immer, es gibt nur "Aerosol" und eine i. v. Applikation. Gibt es eine orale Form?

Ja, Ribavirin wird in Tablettenform und zwar täglich angewendet.

 

  • Habe ich einen Nutzen von Interferon, auch wenn ich kein Responder bin?

 

Grundsätzlich ja, denn zum einen senkt IFN in den meisten Fällen zumindest die Transaminasen. Erwiesenermaßen ist aber der beste Nebeneffekt der, daß während der IFN Anwendung sowohl die Zirrhose, als auch die Bildung eines Karzinoms gebremst werden. Und sogar über den Zeitraum der Therapie hinaus scheinen diese Folgen der Hepatitis C reduziert zu werden -bei Non-Respondern ebenfalls (!).

 

  • Ich habe eine Hepatitis C mit einer Viruslast von 400.000 Kopien/ml. Was sagt mir diese Zahl?

Diese Zahl ist der sog. Virentiter. Man geht heute von folgendem aus: unter 200.000 = sehr niedrig (undetectable by bDNAtest), 200.000 bis 1.000.000 = niedrig, 1.000.000 bis 5.000.000 = mittel, 5.000.000 bis 25.000.000 = hoch, über 25.000.000 = sehr hoch. Sie haben also keinen hohen Titer, was allerdings wenig über den Grad Ihrer Infektion aussagt. Transaminasen und Infektionsdauer müssen ebenfalls be­rücksichtigt werden.

 

  • Haben Sie Informationen zur Verträglichkeit von Interferonbehandlungen bei Jugendlichen?

Bei Kindern und Jugendlichen liegen nur wenig Erfahrungen mit einer Interferontherapie vor, wobei sich die Ansprechraten wahrscheinlich nicht wesentlich von denen der Erwachsenen unterscheiden. Das Alter an sich hat nur eine untergeordnete prognostische Bedeutung für die Ansprechrate auf Interferon, sofern man berücksichtigt, daß bei älteren Patienten gehäuft eine lange Infektionsdauer vorliegt, die die Erfolgsrate reduziert. Das Geschlecht spielt ebenfalls keine wesentliche Rolle, wobei Frauen möglicherweise eine geringfügig bessere Ansprechrate als Männer haben. Berücksichtigt man, daß sich Genotypen und Infektionsdauer in verschiedenen Populationen deutlich unterscheiden können.

 

  • Bedingtheit, Psychose und HEP C?

Daß die Hepatitis aufs Gemüt schlägt (Abgespanntheit und auch Angst vor der Zukunft) ist wohl bekannt. Wir sind allerdings zuwenig psychologisch informiert, um eine Zusammenhang feststellen zu können. Wir betreiben allerdings eine internationale Mailingliste, haben Kontakt zu lausenden Patienten weltweit, und aus dieser Erfahrung können wir die von Ihnen zitierte „Be-dingtheit" NICHT erkennen. Umgekehrt wird eher ein Paar Schuhe daraus... eine psychotische Störung beeinträchtigt selbstverständlich das Immun-Sy-stem - und damit ist die Chance infiziert zu werden, größer als bei einem „ganzheitlich" gesunden Menschen.

 

  • Kennen Sie erfolgversprechende Therapiekonzepte beim Polyneuropathie-Syndrom im Rahmen der Hepatitis C, die wohl hepatisch, viral oder auch durch Interferon bedingt sein können ?

Relativ einfach ist es bei Patienten, die schon eine fortgeschrittene Lebererkrankung mit Zirrhose und deren Komplikationen aufweisen. Schwieriger wird es, je geringer die Veränderungen in Labor und Leberhistologie sind, wobei ich von vielen Patienten weiß, daß man auch ganz ohne Transaminasen-erhöhung sich bei Vorliegen einer Hepatitis-C Virusinfektion miserabel fühlen kann.Dies ist eine Problematik, die sicher noch nicht einheitlich beurteilt wird.

Zur Polyneuropathie ist zu sagen, daß sie, wie Sie richtig schreiben, verschiedene Ursachen haben kann. Am häufigsten ist wohl das Vorliegen einer sogenannten Kryoglobulinämie, die bei sehr vielen Patienten (in der Literatur bis 50%) die Hepatitis C begleitet. Diese Kryoglobuline können bei einem (kleinen) Teil der Betroffenen über Entzündungsprozesse zu einer Polyneuropathie führen. Eine erfolgreiche Interferonbehandlung bessert üblicher­weise auch diese Beschwerden und es gibt auch Berichte über Patienten, die zwar in Bezug auf die Leber nicht auf Interferon angesprochen haben, bei denen sich aber die Symptome der Kryo-globulinämie (z.B. auch Hautveränderungen) trotzdem besserten. Auch Interferon selbst soll in ganz seltenen Fällen eine Polyneuropathie auslösen können, diese würde aber nach Absetzen der Medikation wieder verschwinden.

 

  • Was geschieht, wenn ein Kind transplantiert werden muß?

 

Es gibt die Möglichkeit, dem Vater oder der Mutter einen Teil ihrer Leber zu entnehmen und diesen Teil dem Kind einzupflanzen. Diese Möglichkeit wurde von Prof. Broelsch in Chicago erstmals praktiziert, heute arbeitet er in Hamburg-Eppendorf.

Relativ wenige Hepatitis-C-Patienten sind Kinder, wenn Sie aber dennoch weitere Infos suchen, finden Sie diese unter:

http://www.leberkrankes-kind.de/

 

  • Ich bin jetzt 23 und vor einem Jahr ist bei mir Hepatitis C beim Blutspenden festgestellt worden. Aber bis jetzt sind noch keine Anzeichen für einen Ausbruch der Krankheit festgestellt worden. Blut- und Leberwerte waren bis jetzt immer im grünen Bereich. Auch hatte ich noch keine Beschwerden. Sollte ich trotzdem über eine Interferon-Therapie nachdenken?

Unbedingt! Ihr Alter und die Dauer der Erkrankung sprechen klar FÜR einen Erfolg der Therapie. Je früher therapiert wird, umso besser. Allerdings sollten Sie mit Ihren normalen Werten keinesfalls von einem niedergelassenen Arzt behandelt werden. Suchen Sie möglichst eine Klinik in Ihrer Nähe auf. Dort laufen überall Studien und man weiß dort, worauf es ankommt. Der normale Internist ist überfordert. Wenn Sie die Diagnose chronische Hepatitis C bekommen haben, dann IST die Krankheit bereits ausgebrochen! Dann SIND Sie infektiös und ein potentielles Risiko. Dann IST Ihr Immunsystem bereits so gestört, daß es mit körpereigenen Abwehrmaßnahmen nicht mehr gegen das Virus ankommt. Anzeichen gibt es bei einer Gelbsucht, die aber viele gar nicht durchmachen und zum Schluß bei der Zirrhose und deren Auswirkungen ... gerade die so häufig fehlenden Symptome machen HCV erst so heimtückisch.

 

  • Ist Ihrer Meinung nach eine Therapie mit Interferon auch im akuten Stadium sinnvoll ?

Ja, unbedingt. Man kann so, aller Wahrscheinlichkeit nach, den Übergang in die Chronizität verhindern. Bisher erscheint es auch so, als seien die Responderraten bei der akuten Erkrankung deutlich höher. Die Konsensuskonferenz gibt folgende Empfehlung: Die akute HepC sollte mit IFN alfa therapiert werden. Beginn der Therapie mit Diagnosestellung. Therapiedauer: 3 Monate

 

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