Vor ca. 8 Jahren stellte mein damaliger Hausarzt eine Erhöhung meiner Leberwerte fest. Als er der Sache auf den Grund ging, entdeckte er Hepatitis C-Viren. Zur damaligen Zeit wusste man noch kaum etwas über diese Krankheit. Mein Arzt jedenfalls sagte mir, dass man da nicht viel machen könne. Ich machte mir damals nicht viel Gedanken darüber und vergaß die Diagnose mit der Zeit wieder. Als ich drei Jahre später den Arzt wechselte und dieser wieder auf meine Leberwerte aufmerksam wurde, fiel es mir wieder ein. Dieser Arzt meinte nun auch, dass man dringend etwas machen müsste, da meine Leber schon ziemlich angegriffen sei.Er erzählte mir von anderen Patienten, die diese Krankheit auch hätten und von dem Medikament Interferon, das man sich selbst spritzen müsste. Als erstes jedoch schickte er mich zu einem Arzt in unserem Krankenhaus, der sich schon länger mit dieser Krankheit befasste und schon entsprechende Erfahrungen gemacht hatte. Die Schwierigkeit bei mir war, dass sich von Geburt an nur 500-1000 weiße Blutkörper (Leukozyten) in meinem Blut feststellen ließen. Das führte zu häufigen Erkältungen in meinen Kinderjahren. Mein geschwächtes Immunsystem veranlasste nun die Ärzte besonders sorgsam zu untersuchen, ob die Therapie für mich überhaupt durchführbar war. Keiner konnte sagen, wie mein Körper auf diesen Angriff reagieren würde. Dazu war eine der möglichen Nebenwirkungen von Interferon die Senkung der Leukozyten.
Ich selbst war wie vor den Kopf gestoßen und ging erst einmal daran mich im Internet etwas näher über die Krankheit zu informieren. Mein Arzt hatte die Problematik und die möglichen Folgen angerissen, doch ich wollte mehr darüber erfahren. Was ich da teilweise zu lesen bekam war erschreckend. Vor allem der relativ kleine Prozentsatz von Wahrscheinlichkeit, dass das Medikament bei einem Menschen überhaupt anschlägt. Die beschriebene Müdigkeit hatte ich allerdings schon länger an mir beobachtet, aber nicht weiter beachtet. Trotz allem halfen mir die zusätzlichen Informationen dabei das Ganze einzuordnen und zu akzeptieren. Ich entschied mich schließlich dafür die Behandlung durchzuführen und musste mich nun 4 mal die Woche spritzen. Das Spritzen selbst war kein Problem, doch nun begannen die Nebenwirkungen. Nach dem ersten Mal bekam ich Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, kurz Anzeichen einer schweren Grippe - da ich sonst nie Fieber habe. Die erste Nacht war die schlimmste. Hier half mir die fürsorgliche Hilfe meiner Mutter, die mir jeden Wunsch von den Augen ablas. Danach relativierten sich die Nebenwirkungen und ich konnte mein Leben fast "normal" weiterführen. Dieses nicht mehr machen zu können, war meine größte Angst gewesen. Der Abend nach der Spritze war jeweils "gelaufen", weil ich nach wie vor die Gliederschmerzen und eine große Schlappheit spürte. Ich ermüdete schneller und war nicht mehr so leistungsfähig. Außerdem fielen mir einige Haare aus - eine Tatsache, die mir zeitweise mehr zu schaffen machte, als die anderen Nebenwirkungen. Schließlich gelang es mir aber das nicht mehr als so wichtig anzusehen. Dass ich an Gewicht verlor, fand ich dagegen nicht so tragisch, vor allem da es sich in einem erträglichen Maß hielt. Trotz allem zog ich in dieser Zeit aus der Wohnung meiner Eltern aus, um näher an meinem Arbeitsplatz zu sein. Ich war Erzieherin und das Gesundheitsamt und meine Ärzte hatten mir bescheinigt, dass meine Krankheit kein Grund wäre, den Beruf aufzugeben. Ich hatte eine Stelle in einem Kindergarten in Stuttgart gefunden. Das Pendeln zwischen Reutlingen und Stuttgart war mir zu anstrengend und so schien das die ideale Lösung zu sein. Nach einem halben Jahr sagte mir mein Arzt, dass das Medikament die Viren zwar reduziert hatte, das Ergebnis aber trotzdem nicht befriedigend war. Er schlug mir nun die Kombinationstherapie mit Interferon und Ribavirin vor. Das löste in mir nicht etwa Niedergeschlagenheit aus, sondern motivierte mich erst recht dazu positiv in die Zukunft zu sehen. Der erste Versuch war zwar nicht so erfolgreich, wie erhofft, aber er war auch nicht völlig daneben gegangen. Immerhin waren es schon ein paar Viren weniger. Ich versuchte öfters in meinen Körper hineinzuhorchen und in meinem Kopf den Satz zu wiederholen: ich werde es schaffen, ich werde die Viren besiegen. Ich war bereit die nächste Therapie anzufangen, wohl wissend, dass es meine vorläufig "letzte Möglichkeit" war - wie mein Arzt meinte. Ich war jedoch fest dazu entschlossen diese Möglichkeit so gut wie möglich zu nutzen. Vielleicht klingt das für Betroffene, denen es gerade sehr schlecht geht unglaubwürdig, aber ich bin fest davon überzeugt, dass Gedanken einen großen Einfluß auf Genesung oder Erkrankung haben. Konzentriert man sich auf sein Ziel, nämlich gesund zu werden und sieht man auf die positiven Seiten, wann immer man sie entdeckt, dann glaube ich fest daran, dass der Körper bessere Voraussetzungen hat sich gegen die Viren zu wehren, als wenn man in Depressionen versinkt. Doch trotz allem, manchmal half dieses Wissen auch mir nichts mehr und ich war kurz vor dem großen Loch. Hier habe ich oft Zuflucht im Gebet gefunden. Ich wollte nicht meine Eltern oder andere Menschen ständig damit belasten und so lud ich alle Ängste, Sorgen, Vorwürfe, dunkle Gedanken, aber auch Hoffnungen und Erfolgserlebnisse bei Gott ab. Und jedes Mal hatte ich das Gefühl um eine Last leichter geworden zu sein. Die Spritzen kamen nun nur noch drei mal die Woche, dafür kamen die Kapseln dazu. Die Nebenwirkungen blieben auf einem erträglichen Maß, doch das tägliche Arbeiten strengte mich immer mehr an. Das führte schließlich auch zur Kündigung. Vor mir tat sich ein riesiges Loch auf. Die Perspektive für mich war nun wieder zurück zu meinen Eltern zu ziehen. Ein Rückschritt, wenn man dabei ist, selbständig zu werden. Die Fügung erwies sich jedoch als Vorteil, weil ich so die Abende nicht mehr alleine war. Meine Eltern und ich fingen an regelmäßig Spieleabende einzuführen. Ein Kartenspiel hatte es uns angetan und das spielten wir nun mit wachsender Begeisterung. Dabei vergaß ich dann meinen "Zustand" und der Abend verging, ohne dass ich depressiv wurde oder mir Gedanken darüber machte, wie die Zukunft wohl aussehen könnte, wenn das Medikament nicht anschlagen sollte. Es folgte ein 3/4 Jahr Arbeitslosigkeit, das sich jedoch im Nachhinein als großes Glück entpuppte. Endlich hatte ich viel Zeit mich richtig auszuruhen, schlief viel und konnte trotzdem noch meine Freundschaften pflegen. Freundschaften, die sich auch während meiner Krankheitszeit als sehr verlässlich erwiesen haben. Nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit, stellte mein Arzt fest, dass die Anzahl der Viren unter den messbaren Bereich gesunken war und er mich somit als "geheilt" betrachten konnte. Ich konnte es einfach nicht fassen! Die Therapie sollte abgebrochen werden und ich sollte nun nur noch alle drei Monate zur Blutuntersuchung kommen, um sicher zu gehen, dass die Viren nicht wiederkommen. Das war im Mai 2000 und seither hat sich an dem Befund nichts mehr geändert. Meine Haare sind wieder nachgewachsen und die Mattigkeit ist verschwunden. Im Nachhinein würde ich sagen, dass vor allem die Hilfe meines Glaubens an Gott, meiner Eltern und Familie, sowie die Loyalität meiner Freunde mir geholfen hat die Zeit ohne größere Depressionen durchzustehen. Die Tatsache, dass man starke Gemütsschwankungen durchmacht und dabei dann auch mal ungerecht denen gegenüber ist, die einem zur Seite stehen, möchte ich hier auch nicht verschweigen. Im Großen und Ganzen darf man nie den Glauben und die Hoffnung daran verlieren, dass man wieder gesund wird, auch wenn das manchmal noch so schwer zu sein scheint. Ablenkung ist manchmal auch ein guter Ratgeber. Was bei mir das Kartenspielen war, ist beim anderen vielleicht die Musik oder gute Bücher... Alles was Freude macht und davon abhält ständig die Gedanken um die Krankheit kreisen zu lassen kann helfen. Damit wünsche ich allen, die noch mitten drin sind einen Hoffnungsschimmer und Gottes Segen beim Durchhalten. Es lohnt sich! Nachtrag Oktober 2004:
Heute, nach mehr als 4 Jahren nach dem ersten Befund, daß die Viren nicht mehr nachweisbar sind, bekomme ich nach anfänglicher Vierteljährlicher Blutuntersuchung nun nur noch halbjährlich immer wieder die Bestätigung, daß die Viren nach wie vor unter der nachweisbaren Grenze liegen. Es ist jedes Mal wieder spannend, die Ergebnisse abzuwarten, aber grundsätzlich führe ich ein normales Leben und die Krankheit scheint sehr weit weg zu sein.
Trotz allem werde ich die Zeit nicht vergessen und bete weiterhin für alle diejenigen, bei denen es nicht so gut gelaufen ist, die mit schweren Nebenwirkungen zu kämpfen haben oder die die Diagnose erst vor kurzem bekommen haben.
Es lohnt sich zu kämpfen!
Viele Grüße
Helga
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Vor ca. 8 Jahren stellte mein damaliger Hausarzt eine Erhöhung meiner Leberwerte fest. Als er der Sache auf den Grund ging, entdeckte er Hepatitis C-Viren. Zur damaligen Zeit wusste man noch kaum etwas über diese Krankheit. Mein Arzt jedenfalls sagte mir, dass man da nicht viel machen könne. Ich machte mir damals nicht viel Gedanken darüber und vergaß die Diagnose mit der Zeit wieder. Als ich drei Jahre später den Arzt wechselte und dieser wieder auf meine Leberwerte aufmerksam wurde, fiel es mir wieder ein. Dieser Arzt meinte nun auch, dass man dringend etwas machen müsste, da meine Leber schon ziemlich angegriffen sei.