Deutsches Hepatitis C Forum e.V

Michael H. - "Kopf hoch, es wird schon schiefgehen", Januar 2006

Hallo erstmal, egal ob ihr selber direkt oder indirekt Betroffener, oder auch nur Neugirig seid.

Wie gesagt, ich heiße Michael, bin 25 und fast mit dem Studium fertig.
Und ich hab Hepatitis C.

Die ganze Schoße hat wohl irgendwann um 1985 angefangen, bin als 4/5-Jähriger ins Kinderkrankenhaus gekommen und hab die Polypen herausoperiert gekriegt. Und da mein Körper sich scheinbar geweigert hat mit dem bluten aufzuhören, hab ich da gleich eine Transfusion erhalten. Leider war in der Pulle außer Blut wohl noch was anderes drin (85 wurde ja leider noch nicht auf Hep-C getestet).
Nach der Op gings mir wieder ganz gut, hab das Krankenhaus ein paar Jährchen später nochmal zwecks Blutvergiftung besucht (jaja, raufen im Kindergarten ist schön) das tut ja hier nix zur Sache.

Vom Kindergarten führte mein Weg in die Grundschule, und dann aufs Gymnasium.
Dort begann ich dann meinen Eltern sorgen zu machen, es war so um 1996 rum, und ich stets Schlapp, Müde, und das obwohl ich immer Rechtzeigig im Bett war. So schleppten sie mich dann zum Internisten, der mit dann sogleich Blut abzafte.

Eine Woche später:
Überweisung in die Uniklinik, und die Nachricht - ihr Sohn hat Hepatitis-C. Toll.

Ein Besuch beim Seuchenmelderegister (ich hatte damals nichtmal gewusst das es sowas gibt) später war es dann auch Amtlich. Naja...

Sodann begannen wir auch gleich mit der Therapie - Interferon + Ribavarin (glaub ich zumindest).
Ich war nie ein Fan von Spritzen und mir täglich eine in den Bauch setzten zu müssten stand ganz unten auf meiner "Dinge die ich immer tun wollte" Liste. Aber was half es ... ich schluckte die Tabletten (und kriegte wirklich genialen Schüttelfrost) und spritzte mir das Zeug brav Tag für Tag.

Leider durfte ich nach 3 Monaten dann hören dass die Viruslast zwar gut gesunken war, aber nicht auf null - mit anderen Worten: Non-Responder. Der Artzt brach die Therapie ab.

Ca. 4 Jahre gingen ins Land dann gabs eine neue Therapie: eine 3-fach combo mit Intron-A, Ribavarin und nochwas. Natürlich hab ich da gleich mitgemacht. Erster Effekt war das mir die Haare ausfielen, jeden Tag ein paar Büschel, ich hatte schon Angst ich würde ein Perücke mit meinen dann 20 jungen Jahren brauchen. Aber das legte sich nach ner Weile. Aber leider blieb auch hier der Erfolg aus. 2facher Non-Responder.

Und jetzt sitz ich hier, mit 25, und frage mich manchnal ob ich die 50 sehen werde. Wer weiß. Aber dann fällt mir ein: Zwei meiner engsten Freunde sind schon gegangen. Der Eine hatten einen Epileptischen Anfall im Schlaf, biss sich auf die Zunge und ist erstickt, der Andere überholte einen Laster im Nebel und hat ein Auto übersehen.

Die alte Floskel sagt, man weiß weder Tag noch Stunde - gut möglich das ich als 90 jähriger Opa bein *ihr-wisst-schon-was* mit einer jungen Gespielin den Löffel abgebe, genauso gut möglich daß mich morgen ein Milchtruck beim Einparken mitnimmt. Alles denkbar.

Drum sage ich mir (und euch): Kopf hoch, wird schon schiefgehen, die Medizin macht gewaltigen Fortschritt - und wenns nicht klappt, auch egal - irgendwann muss jeder gehen :)

 

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