Körperliche Nebenwirkungen während einer Therapie mit Interferon und Ribavirin.
- und was kann man dagegen tun.
Im Gegensatz zu den Anfangszeiten der Interferonbehandlung bei Hepatitis C-Patienten hat sich im Bereich Nebenwirkungen und Nebenwirkungsmanagment einiges getan.
Die pegylierten Interferone sind besser verträglich, als die damaligen nicht pegylierten Interferone. Zudem wurde im Laufe der Zeit die Therapie deutlich optimiert. Da die Complience (Verträglichkeit und damit verbundenes gleichmäßiges Durchhalten) ein wesentlicher Prognosefaktor für die Behandlung ist, werden hier nun mögliche Nebenwirkungen beschrieben und auch evtl. Gegenmassnahmen besprochen. Am häufigsten berichten Patienten (ca.80%) in den ersten Wochen der Therapie von „Grippe ähnlichen Symptomen“. Interferon ist ein körpereigenener Abwehrstoff des Immunsystems, welches bei einem viralen Infekt reagiert, wie zum Beispiel bei der grippalen Infektion. Zur Folge hat dieses, dass das, unter Interferon angeregte, Immunsystem mit Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen reagiert. Meist treten diese Reaktionen in den ersten 4-8 Std. nach den ersten Spritzentagen auf. Zur Vorbeugung oder Linderung kann man Paracetamol geben, max. 4x 500 mg/ Tag, über einen kurzen Zeitraum, ist die maximale Empfehlung der Ärzte. Diese Nebenwirkungserscheinung lässt im Regelfall nach den ersten Wochen nach. Die wohl am häufigsten vorkommende an Nebenerscheinung ist die Veränderung des Blutbildes. Es kann zu einem deutlichen Abfall der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und der Blutplättchen (Thrombozyten) kommen. Wie im Kapitel für die Blutwerte berichtet wurde, sind Leukozyten unter anderem eine wichtiger Helfer für die Immunabwehr. Thrombozyten sind mit für den Gerinnungsfaktor des Blutes verantwortlich. Auch wird in einigen Fällen von einer Blutarmut berichtet. Die roten Blutkörperchen (Hämoglobin) im Körper „zerplatzen“ und können somit weniger Sauerstoff mit sich transportieren. Die Folgen sind Abgeschlagenheit, Luftnot, Schwindel sowie kalte Hände oder Füße. Solange die Werte nicht unter eine kritischen Bereich sinken, ist kein Grund für Besorgnis gegeben. Jedoch ist eine regelmäßige Blutbildkontrolle angeraten. Im individuellen Einzelfall kann es zu Anpassungen der Ribavirin- oder auch der Interferondosierung kommen. Hier ist immer zu berücksichtigen, wie der Gesamtzustand des einzelnen Patienten ist. Es ist bestimmt nicht einfach zu verstehen und zu akzeptieren, wenn ein Arzt eine Dosisreduktion oder im allerschlimmsten Fall einen Therapieabbruch ins Auge fasst, um Ihre Gesundheit zu schützen. Sehr häufig berichten Patienten während der Therapie von Leistung- und Konzentrationsstörungen und Tagesmüdigkeit; ca. 60% aller Therapierenden kennen diese Symptome. Einige Patienten hatten diese Störungen schon während des unbehandelten Krankheitverlaufes bemerkt. In diesem Fall hilft meist, ein geregelter Tagesablauf mit regelmäßigen Erholungszeiten, lassen Sie lieber mal 5 gerade sein, bevor Sie sich unter Druck setzen und ihr Pensum doch nicht erreichen. Ca. die Hälfte aller Patienten berichten unter Therapie von Schlafstörungen. Regelmäßiges und ausreichendes Schlafen ist gerade unter Einfluss der Therapie wichtig, um dem Körper und dem Geist Kraft zu geben. In vielen Fällen helfen Entspannungsübungen, wie z. B. Qui Gong, Yoga, Meditation, oder einfach eine feste Zeit für sich allein. Sollten die Schlafstörungen anhalten ist es dringend zu empfehlen den Arzt zu konsultieren, gegebenenfalls auch den Psychiater oder Psychotherapeuten. Es ist mit den modernen Medikamenten möglich auf Zeit mit leichten Einschlaf- bzw. Durchschlafhilfen den Tag-Nachtrhythmus wieder herzustellen, ohne eine Abhängigkeit durch die Medikamente zu haben. Ein Schlafmangel kann unter anderem auch zu psychiatrischen Nebenwirkungen führen, welche wir in unserem nächsten Kapitel beschrieben haben. Gewichtsveränderungen werden genau so häufig beobachtet wie Schlafstörungen. In den meisten Fällen berichten die Patienten von Übelkeit, Appetitsverlust und Gewichtsabnahme. Oftmals ist hier das Ribavirin der „Übeltäter“, von daher wird empfohlen, Ribavirin immer in Verbindung mit einer kleinen Mahlzeit einzunehmen. Damit werden zum Einen nicht die Magenwände zu stark in Leidenschaft gezogen und zum anderen wird vermutet, dass die so genannte Bioresonanz bei der Aufnahme des Medikamentes verbessert wird. Zudem hemmt die regelmäßige, abwechslungsreiche Nahrungsaufnahme auch die Anfälligkeit zu Durchfällen, welche Gewichtsabnahmen zusätzlich begünstigen können. Viele Patienten berichten von Hautirritationen, stark juckender Haut, Hautreaktionen an den Einstichstellen. Oft helfen „Omas Hausmittel“, wie Ringelblumensalbe, Melkfett oder Ölbäder. Bei stärkeren und anhaltenden Hautirritationen sollte der Arzt informiert werden und evtl. ein Hautarzt mit zu Rate gezogen werden. In manchen Fällen wirkt eine leicht cortisonhaltige Salbe, welche von einem Arzt verschrieben wird. Bei ca. 30% der Patienten ist ein Haarausfall zu beobachten, jedoch fällt hier das Haar meist nicht im Gesamten aus. Es wird meist dünner, lichter und wächst nach Beendigung der Therapie normal wieder nach. Ein Tipp für Betroffene ist es oft, die Haare zu einer netten Kurzhaarfrisur zu ändern, da man bei kürzeren Haaren den Ausfall weniger bemerkt, und es somit einen positiven psychologischen Nebeneffekt hat. Schilddrüsenprobleme werden bei ca. 5% der Patienten beobachtet. Oft kommt es zu einer Schilddrüsenunterfunktion, welche hervorragend mit L-Thyroxin eingestellt werden kann. Bei wenigen Patienten kann es zu einer chronischen Schildrüsenentzündung führen, welche in der Unter- oder Überfunktion entstehen kann. Man spricht dann von Hashimoto. Die Schildrüsenwerte (TSH) sollten regelmäßig mit bestimmt werden. In den meisten Fällen normalisiert sie diese Funktionsstörung nach Beendigung der Therapie wieder. Eine Nebenwirkung über die berichtet wird, jedoch der direkte Zusammenhang noch nicht genau definiert ist, ist der Tinnitus. Einige Patienten hatten ihn schon im Vorfeld und er verstärkt sich während der Therapie, bei anderen Patienten tritt er als Stress-Tinnitus auf. Diese Ohrengeräusche sollten nicht abgetan werden, sondern mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, evtl. ein HNO-Facharzt dazu gezogen werden. Neben den rein körperlichen Nebenwirkungen, welche schnell vom Patienten erkannt werden, liegt das nächste Schwerpunktthema in der Psyche. Hierfür haben wir Dr. Schäfer, Charité Berlin, gebeten uns dieses Thema näher zu bringen
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| Aktualisiert ( Mittwoch, den 03. Februar 2010 um 00:48 Uhr ) | ||
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