Deutsches Hepatitis C Forum e.V

Ulrich - November 2008

Mit diesem Bericht möchte ich Zweiflern, wie ich lange Jahre einer war, Mut machen eine Therapie anzugehen. Ich hatte mich auf die schlimmsten Nebenwirkungen eingestellt – und nichts davon ist eingetroffen.

 Meine Infektion wurde 1993 (da war ich 32 Jahre alt und Vater einer einjährigen Tochter) festgestellt.

Nach einer Woche mit Beschwerden wie Übelkeit, Schwindel und Unverträglichkeit von Alkohol bin ich zum Arzt, wo erst nach einiger Zeit HCV diagnostiziert wurde. Alle bekannten Infektionswege wie OP, Bluttransfusion, Tätowierungen, Drogensucht usw. sind ausgeschieden. Wie habe ich mir an Anfang den Kopf zerbrochen was die Ursache sein könnte.

In einem Betroffenenbericht habe ich gelesen, dass die Impfung mit Beriglobin auch eine Ursache sein könnte. Ja, so eine Impfung hatte ich 1-2 Jahre vor Krankheitsausbruch auch (obwohl mir damals gesagt wurde von Ansteckung zu Symptomen würden nur ca. 3 Monate liegen).

Damals war die Interferon-Therapie in der Studienphase und es musste täglich gespritzt werden. Die starken Nebenwirkungen waren bekannt, und da ich moderate Blutwerte hatte und sonst überhaupt keine Beschwerden, wollte ich mich nicht den Nebenwirkungen aussetzen. Mein Arzt hat mir auch abgeraten, und das war auch eigentlich das, was ich hören wollte. Ich habe darauf hin abstinent gelebt und das Thema Therapie beiseite geschoben (in den Gedanken war die Krankheit allerdings täglich). Die Therapie habe ich als letzten Ausweg gesehen, falls es mir mal wirklich richtig schlecht gehen sollte. Zwischendurch kochte das Thema immer mal wieder hoch und ich fragte mich ob ich das Richtige tue, wenn ich nichts tue. Das eigentlich Belastende an der Krankheit war zu dem Zeitpunkt für mich die Angst, dass ich vielleicht jemanden anstecken könnte.

Im Sommer 2005 erzählte mir mein Hausarzt von einem Patienten, der geheilt wurde und kaum Nebenwirkungen spürte. Darauf hin ließ ich den Virengenotyp bestimmen. Es wurde die relativ gut zu bekämpfende Variante 2a/2c festgestellt. Das machte mir Mut eine Therapie in Erwägung zu ziehen und mich bei einem Facharzt zu informieren. Ein weiteres Kriterium für mich war: Wird in ein paar Jahren die teure Therapie noch von den Krankenkassen bezahlt? Das Gespräch mit dem Facharzt verlief gut, ich hatte Vertrauen zum Arzt, fühlte mich ernst genommen und zu nichts gedrängt. Darauf hin habe ich mich zur Therapie (24 Wochen Interferon + Rebetol) entschieden. Wegen meiner moderaten Blutwerte und dem unauffälligen Ultraschallbefund wurde auf meinen Wunsch sogar auf eine Leberbiopsie verzichtet. Ich fühlte mich in der Mannheimer Praxis überhaupt gut aufgehoben. Der Arzt hat bei meinen Terminen nicht erst in meiner Akte geblättert, sondern er hatte diese schon vorher durchgelesen, war somit über die aktuellen Blutwerte usw. informiert und das Gespräch war somit effektiv und ohne dass ich irgendeinen Zeitdruck verspürt hätte.

Die Therapie habe ich Anfang November 2005 begonnen und im Mai 2006 beendet. Vor Beginn habe ich Chef und Kollegen informiert und nur positive Reaktionen erhalten. Nach der ersten Spritze hatte ich die bekannten Grippesymptome, die ich mit Benuron gut kompensieren konnte. Nach der 2. Injektion waren die Symptome deutlich geringer. Ab der 3. Injektion habe ich schon gar kein Benuron mehr gebraucht. Alle meine schlimmen Befürchtungen sind nicht eingetroffen! Ich habe während der Therapie keinen einzigen Tag bei der Arbeit gefehlt. Natürlich war ich abends erschöpft und zwischendurch vielleicht etwas launisch, aber mein Umfeld und besonders meine Frau waren sehr verständnisvoll.

Nun liegt das Therapieende über zwei Jahre zurück und ich bin immer noch virenfrei.

Selbst wenn jetzt noch ein Rückschlag käme – ich hätte keine Angst die Therapie noch mal anzugehen.

 

 

GTranslate

Seitenaufrufe : 735322