Deutsches Hepatitis C Forum e.V

Wie meine Blutgruppe mir zum Verhängnis wurde

 

Ich bekam am 25.12.1978 in Halle/Saale mit 19 Jahren mein erstes Kind. Auf Grund meines Rhesusfaktors negativ im Blut, bekam ich eine sog. Anti-D-Immunprohylaxe, um bei nachfolgenden Schwangerschaften mögliche gesundheitliche Schäden auf Grund von Rhesusunverträglichkeiten für Mutter und Kind zu vermeiden. Diese Gabe war mit HCV-Viren infiziert.

Bei der Herstellung dieses Präparates wurden Spenden hepatitisinfizierter Menschen verarbeitet.

Nach der Herstellung, jedoch vor dem Inverkehrbringen wurde bekannt, daß in 3 Chargen Plasma hepatitisinfiezierter Spender enthalten waren. Trotz dieser Kenntnis wurden die betreffenden Chargen ausgeliefert und kamen zur Anwendung.

Die Folge war, daß damals zw. dem 02.08.78 und dem 14.03.79 maximal 6773 Frauen mit Hepatitis infiziert wurden.

Wir betroffenen Frauen, sowie die Öffentlichkeit wurden über den Impfskandal und das Fehlverhalten der DDR-Gesundheitsbehörden jedoch nicht informiert.

Am 09.März 1979 mußte ich daraufhin wegen akuter Hepatitis ins Krankenhaus.

Als ich dort ankam, lag bereits das ganze Zimmer voller ebenfalls erkrankter Frauen.

Nach vier Wochen durfte ich dann wieder nach Hause zu meinem Säugling, aber es ging mir noch etwa 3 Jahre gar nicht gut. Ich litt unter ständigen Schmerzen in der Lebergegend, Übelkeit und Müdigkeit, ebenso waren meine Leberwerte immer erhöht.

Irgendwann im Jahre 1983 wurde ich dann für gesund erklärt, was ich ja auch gerne glauben wollte.

Einige Jahre ging es mir auch relativ gut und ich hatte meine Leber schon fast vergessen, bis ich dann im Jahre 1992 wieder Beschwerden bekam. Daraufhin wurden nach Jahren wieder einmal meine Transaminasen abgenommen und man stellte fest, das diese erhöht waren.

Im September 1993 unterzog ich mich dann einer Laporaskopie und das Ergebnis war eine chronisch mäßig aktive Hepatitis-C. Dies war ein großer Schock für mich.

Zur selben Zeit lernte ich noch zwei Betroffene Frauen von damals kennen und kurze Zeit danach gingen wir an die Öffentlichkeit. Es wurde eine Selbsthilfegruppe gegründet.

Da ich öfters krank war, verlor ich dann 1995 meinen Arbeitsplatz. Ich hatte aber das Glück und bekam im März 1996 eine ABM-Stelle, welche aber jetzt im Februar 1998 leider ausläuft.

Im Jahre 1995 bekam ich eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von 30% anerkannt, was zur Zeit eine monatliche Zahlung von 184,- -DM über das Bundesseuchengesetz bedeutet.

Ich sollte im Jahre 1994 mit einer Interferontherapie beginnen, was ich aber bis heute noch nicht gemacht habe. Da ich den Genotyp 1b habe und meine Krankheitsdauer schon über 19 Jahre besteht, weiß ich, das die IFT bei mir nur wenig Erfolg verspricht. Außerdem habe ich ehrlich gesagt, ziemliche Angst vor den Nebenwirkungen, denn ich weiß nicht, ob ich das durchstehen würde.

Bis zum September 1997 sahen meine Transaminasen recht gut aus, ASAT 0,43, ALAT 0,41, GGT 0,23. Vor einem Jahr hätte ich mich darüber sicher noch sehr gefreut, inzwischen weiß man ja, das die Leberwerte kein zuverlässiger Parameter sind.

Meine Viruskonzentration betrug im Juni 97, 50 000 Viren pro Mlt. Blut (1993 waren es "nur" 10 000).

Im Dez. 1996 wurde eine Computertomographie gemacht, die aussagte "Normalgroße Leber mit etwas inhomogener teils landkartenartig gegliederter Struktur. Die beschriebenen Leberveränderungen könnten im Zusammenhang mit einer chron. Hep. zusehen sein, inwieweit hier bereits ein Umbau stattfindet, läßt sich im CT nicht aussagen".

Eine Ultraschalluntersuchung im Juli 97 ergab eine gewisse Veränderung in der Homogenität der Leber.

Mein Internist meinte nur, versuchen Sie ihre Leberwerte möglichst niedrig zu halten. Als wenn ich das selbst bestimmen könnte!

Meine Beschwerden gehen über Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen bis hin zu Lebereschmerzen.

Seit Ende September 1997 haben sich meine Transaminasen nun wieder ziemlich verschlechtert, ALAT 2,17, ASAT, 0,97, GGT 0,36. Die Vieren haben sich auf über 1000 000 pro Mlt vermehrt. Nun muß ich mich erst mal wieder einer Leberpunktion unterziehen.

Im Moment bin ich wieder ziemlich mutlos und habe Angst vor der Zukunft.

Immerhin hänge ich sehr am Leben und habe noch alleine einen neunjährigen Jungen zuversorgen, der seine Mutti braucht.

Ich hoffe ab und zu auf ein Wunder für mich und alle HCV-Erkrankten, obwohl ich leider eher ein Skeptiker in solchen Dingen bin!

Aktualisiert ( Samstag, den 22. August 2009 um 22:37 Uhr )
 

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